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DESCRIPTION:Ort: Musisches Zentrum\, RUB / „Situation Kunst“\, Bochum-
 Weitmar\nFlyer\,  Poster\nTagungsbericht der Jahrestagung “Modes and Mod
 els of Religious Attraction” des Käte Hamburger Kollegs “Dynamiken de
 r Religionsgeschichte zwischen Asien und Europa”\, 15. – 18. November 
 2010 \nIm Mittelpunkt der Jahrestagung 2010 des Käte Hamburger Kollegs 
 „Dynamiken der Religionsgeschichte zwischen Asien und Europa“ stand de
 r traditionsreiche und in Physik\, Soziologie und Medientheorie erprobte B
 egriff der „Attraktion“ resp. des „Attraktors“ und seiner Derivate
 . Unter dem Titel “Modes and Models of Religious Attraction” wurden un
 terschiedliche Aspekte religiöser „Attraktion“ im Hinblick auf die Di
 mensionen „Materialität“ und „Erfahrung“\, diskutiert. „Attrakt
 ion“ sollte in diesem Zusammenhang nicht als psychologische Kategorie od
 er als Identitätsfaktor innerhalb einer Subjekt-Objekt-Dialektik\, vielme
 hr als ein spezifisch dynamisches Moment im Kontext religiöser Abgrenzung
  und Repulsion exponiert werden. Das Interesse konzentrierte sich somit we
 niger auf personell bestimmbare Charismatiker oder auf eine diffuse Agency
  als Ausgangspunkt noch auf ihre Anhängerschaft als identifizierbare Empf
 änger attraktiver Botschaften\, sondern auf die religiöse Eigendynamik d
 ieser fortgesetzten Austauschprozesse\, die Bildung\, Verdichtung und Aufl
 ösung religiöser Traditionsgeflechte maßgeblich bestimmen. Thematisiert
  wurden insbesondere die Wechselwirkungen\, die zur Entstehung religiös e
 ffizienter Materie und damit zur Bildung von Attraktoren führen\, des wei
 teren religiöse Interaktionen\, aus denen unterschiedliche Auratisierunge
 n von Körpern oder Gegenständen emergieren. Dazu gehören religiös codi
 erte Elemente\, die aufgrund von Kräfteverschiebungen innerhalb des relig
 iösen Feldes Attraktivität gewinnen oder verlieren\, ihr Charisma synchr
 on auf andere Elemente übertragen (etwa das heilige Öl auf ein dadurch g
 eheiligtes Kultbild) oder diachron restituieren können (etwa durch Umdeut
 ung und Einverleibung vormaliger Kultstätten). Besonders aufschlußreich 
 erschien in diesem Zusammenhang die Wirkungsweise jener Medien\, die relig
 iöse Attraktionsschübe nicht nur begleiten\, sondern auch deren Richtung
  und Effizienz mitbestimmen und innerhalb der inter- und intrareligiösen 
 Kommunikationsprozesse als Transformatoren oder Generatoren fungieren kön
 nen. Darüber hinaus wurden die spezifischen Bedingungen und Möglichkeite
 n spiritueller Attraktion präzisiert\, die als individuelle Transzendenze
 rfahrung wahrgenommen und vermittelt wird\, so etwa die Suggestionskraft a
 lternativer Heilsangebote in religiösen Konkurrenzsituationen oder die An
 ziehungskräfte\, die sich in den diversen Erscheinungsformen von Mystik r
 esp. mystischer Erfahrung manifestieren können. Deutlich zeichnete sich a
 b\, daß die verschiedenen Effekte sprachlicher\, visueller\, klanglicher\
 , performativer Medien und ihre jeweilige religiöse Codierung für die Dy
 namik des religiösen Feldes eine prominente Rolle spielen.\n \nIn der er
 sten Sektion The Conceptualisation of Aura\, Charisma and Transcendence wu
 rde unter Leitung von Gesche Linde (Frankfurt a.M.\, Deutschland) das term
 inologische und konzeptionelle Umfeld von religiöser Attraktion und Repul
 sion\, insbesondere im Hinblick auf ihren materialen und medialen Kontext\
 , erkundet. Im Zentrum stand die Frage\, inwieweit Bestimmungen von Aura\,
  Charisma und Transzendenz zu einer theoretischen Klärung vor allem der r
 elationalen Aspekte von intra- und interreligiöser Dynamik beitragen kön
 nen.\nEinleitend betonte Martin Treml (Berlin\, Deutschland) in seinem Bei
 trag Sacrifice\, Martyrdom and the ‚Nachleben’ of Religion die auf die
  religiöse Praxis vor- und zurückgreifende Dimension des Ästhetischen\,
  die sich auch und gerade in dem „Nachleben“ religiöser Aura in der s
 äkularen Aura des Kunstwerks manifestiert. Von besonderer Signifikanz fü
 r die Religionsdynamik erscheinen die von Aby Warburg mit dem Begriff „P
 athosformeln“ umschriebenen Kulturtechniken\, die religiöse Erfahrung v
 erdichten\, durch Gestaltung verarbeiten und dadurch ihre Überlieferung u
 nd womöglich Wiederverwertung in anderen religiösen oder säkularen Kont
 exten ermöglichen. Nachdrücklich hingewiesen wurde auf die Bedeutung der
  immer noch unzureichend aufgearbeiteten Ansätze aus der frühen Phase de
 r Warburg-Schule für die Religionsforschung insgesamt und namentlich für
  das Konzept einer relationalen Religionsforschung.\nBekanntlich hat sich 
 der Begriff des „Nachlebens“ als außerordentlich fruchtbar für die d
 iachrone Betrachtung der antiken Kunstgeschichte erwiesen\, und zwar nicht
  allein im Hinblick auf ihre mehrfachen “Renaissancen” unter christlic
 hen und späterhin säkularen Vorzeichen\, sondern auch – wie der Vortra
 g von Ioannis Mylonopoulos (New York\, USA) The Beauty of Simple Things: S
 implicity and the Visual Construction of the Divine in Ancient Greece verd
 eutlichte – für die griechischen Kulttradition selbst. Ausgehend von de
 r markanten These – „Im Anfang war das Bild“ – wurden anhand aniko
 nischer Bildwerke der Frühzeit\, Kolossalstatuen\, „klassischen“ Verm
 enschlichungen der Götterbilder und experimentellen und historisierenden 
 Tendenzen des Hellenismus unterschiedliche Strategien religiöser Attrakti
 on durch visuelle Konstruktion des Göttlichen beschrieben. Besonders aufs
 chlußreich erschien in diesem Zusammenhang die von Mylonopoulos herausgea
 rbeitete Dichotomie zwischen zwei unterschiedlich ausgerichteten charismat
 ischen Wechselwirkungen: einer kommunikativen Dynamik\, die sich aus unmit
 telbar sinnlichen Attraktionsmomenten (durch schöne Gestaltung des mensch
 lichen Körpers) oder aus dezidiert einfachen\, archaisierenden (und damit
  Dignität suggerierenden) Gestaltungen konstituiert.\nIm Anschluß daran 
 unternahm Knut Martin Stünkel (Bochum\, Deutschland) mit seinem Vortrag A
 ura as Propensity. Towards a Non-Intentionalistic Description of Attractio
 n den vielversprechenden Versuch\, das Konzept der religiösen Attraktion 
 über eine Engführung von Benjamins Theorie der Aura und Poppers „prope
 nsity“-Begriff zu konkretisieren\, um in einem weiteren Schritt beide An
 sätze mit Bruno Latours Entwurf der hybriden Netzwerke zu verknüpfen. De
 r Vorteil dieser zunächst überraschenden Konstellation liegt vor allem d
 arin\, Attraktionsphänomene in ihrer spezifischen Dynamik zwischen Annäh
 erung und Distanzierung erfassen zu können. Religiöse Attraktivität wä
 re somit nicht als Zustand resp. Eigenschaft eines auratischen Kultobjekts
  bestimmbar\, sondern als ein fortgesetztes „unfolding“\, dessen Konde
 nsationen weder vorhersagbar noch kontrollierbar erscheinen\, sich also au
 ch nicht durch die Intentionen der daran beteiligten Subjekte oder Kollekt
 iva erklären lassen. Aura\, Charismatik und religiöse Materie stehen som
 it nicht in einem kausalen\, sondern in einem relationalen Verhältnis\, d
 as sich aus einer Abfolge von Attraktions- und Repulsionsprozessen ergibt.
 \nIn der allgemeinen Diskussion wurde noch einmal hervorgehoben\, daß hin
 sichtlich der kommunikativen Dynamik zwischen Götterstatuen und der sie v
 erehrenden Kultgemeinschaft gerade unter relationalen Gesichtspunkten eine
  eindeutige Trennung von Kult- und Kunstobjekt kaum denkbar sei. Zu berüc
 ksichtigen sei im übrigen auch die Relevanz der Deskription resp. Textual
 isierung oder auch der Visualisierung\, mithin der Übersetzung in ein and
 eres Medium als Moment der Selbstreflexion und Selbstvergewisserung von re
 ligiöser Aura.\nAnknüpfend an die einleitenden Überlegungen zur termino
 logischen Klärung zielte die von Arie L. Molendijk (Groningen\, Niederlan
 de) geleitete zweite Sektion Creating Typologies for Charisma and Transcen
 dental Experience darauf ab\, die unterschiedlichen Kräftefelder\, in den
 en Aura\, Charisma Transzendenz und transzendentale Erfahrung konkretisier
 t werden können\, genauer zu differenzieren. Dabei ging es auch um die Fr
 age\, welche Bedeutung der medialen Übersetzung und Kommunikation religi
 öser Erfahrung in einer Typologie von religiösen und nicht-religiösen A
 ttraktoren zukäme. Dimitri Drettas (Erlangen\, Deutschland) demonstrierte
  in seinem Beitrag über Dream Divination and Dream Exorcism in Chinese Ho
 usehold Encyclopedias die Bedeutung der Mantik am Beispiel prognostischer 
 Techniken in China und zeigte dabei\, wie Traumdeutung und apotropäische 
 Mittel\, die als Schutzbringer im Daoismus eine lange Tradition besitzen\,
  konvergieren können. Der Traum wird in diesem Zusammenhang als eine viel
 fältige Interaktion unterschiedlicher Geist-Wesen\, Ahnen\, Gottheiten\, 
 Dämonen verstanden\, die mit dem Träumenden vorübergehend in einen span
 nungsreichen Dialog treten\, der sich später im Prozeß der Traumdeutung 
 fortsetzt. Erfahrung von Transzendenz und Reflexion der Transzendenz\, wie
  sie sich in den entsprechenden Traumbüchern manifestieren\, erscheinen d
 abei als komplementäre Attraktionsmomente\, welche die Dynamik von Charis
 ma und Transzendenzerfahrung sowohl ausgleichen als auch steigern können.
 \nDer Beitrag von Naomi-Feuchtwanger-Sarig (Tel Aviv\, Israel) Between Mun
 dane\, Sanctified and Holy: Re-Defining Jewish Ritual and Ceremonial Objec
 ts setzte die Diskussion um eine Differenzierung und ggf. Typologisierung 
 von Aura und Charismatik mit einer Reihe anschaulicher Beispiele aus der j
 üdischen Tradition fort\, die - von Dura Europos bis zur Gegenwart reiche
 nd - unterschiedliche Umgangsformen mit auratischen Gegenständen resp. ve
 rschiedenen Reinheitsgeboten und –verfahren zur Sicherung des Kultstatus
  erkennen ließen. Während die Referentin auf der einen Seite verdeutlich
 te\, wie überlieferte Vorschriften etwa bei der Herstellung und Beschrift
 ung von Tora-Rollen nach wie vor minutiös beachtet werden\, konstatierte 
 sie andererseits\, daß zeremonielle Gegenstände aus jüdischer Sicht gar
  nicht wirklich profaniert werden können\, da ihr Status letztlich vom g
 öttlichen Wort bestimmt ist und somit ihre materialen Aspekte wie auch ih
 re eventuellen Gefährdungen von zweitrangiger Bedeutung sind. Besonderes 
 Interesse im Hinblick auf interreligiöse Kontakt- und Konfliktsphären ve
 rdienten einige bemerkenswerte Fälle von Konvertierungen jüdischer Kultg
 egenstände\, die – leider unter unaufgeklärten Umständen – in der c
 hristlichen Liturgie Verwendung gefunden hatten.\nReale oder virtuelle int
 erreligiöse Konvertierungen wurden auch in dem anschließenden Beitrag vo
 n Sven Bretfeld (Bochum\, Deutschland) thematisiert. Unter dem Titel Mater
 iality of Religion and the Aesthetic Dimensions of Orientalism widmete sic
 h der Referent zwei prominenten Beispielen von religiös aufgeladenem Orie
 ntalismus aus dem 19. Jahrhundert: ausgehend von einer präzisen Beschreib
 ung des Arbeitszimmers Arthur Schopenhauers und der signifikanten Plazieru
 ng einer Buddha-Statue wurden zunächst die oszillierenden Anziehungs- und
  Abstoßungskräfte der zu dieser Zeit noch wenig bekannten östlichen Rel
 igionen auf den atheistischen Philosophen und seine theologischen Gegenspi
 eler thematisiert und anschließend konfrontiert mit der ein halbes Jahrhu
 ndert späteren und unter esoterischen Vorzeichen erfolgenden Annäherung 
 an den Buddhismus des US-amerikanischen Rechtsanwalts\, Journalisten und e
 rsten Präsidenten der „Theosophical Society“\, Henry Steel Olcott\, d
 er nach seiner Konvertierung einen in der intrareligiösen Rezeption keine
 swegs unumstrittenen buddhistischen Katechismus nach okzidentalen Kriterie
 n verfaßte. In beiden Fällen ist das komplementäre – und in sich durc
 haus widersprüchliche – Verhältnis von Transzendenzerfahrung und trans
 zendentaler Reflexion ein konstitutives Moment interreligiöser Attraktion
 .\nIn der allgemeinen Diskussion der Sektionsbeiträge wurde noch einmal d
 ie Notwendigkeit betont\, bei einer typologischen Unterscheidung weniger v
 on den auratisierten Gegenständen oder den davon betroffenen Personen aus
 zugehen\, sondern eher die Prozesse der Zuschreibung\, die Kommunikationsf
 ormen und die dabei involvierten Medien in den Vordergrund zu stellen.\n 
 \nUnter der Leitung von Marion Steinicke (Bochum\, Deutschland) befaßte s
 ich die dritte Sektion Re-Constructing Auratic Material mit Prozessen reli
 giöser Aufladung\, Umdeutung\, Neubewertung sowie der Wiedergewinnung von
  Kultobjekten und –stätten\; Fragen nach den spezifischen Prozessen\, d
 ie zur Unterscheidung von religiöser und profaner Materie führen\, sowie
  nach den besonderen Attraktionsmomenten religiös aufgeladener Materie st
 anden im Vordergrund. Eingeleitet wurde die Sektion durch ein Referat von 
 Carmen Meinert (Essen/ Bochum\, Deutschland) Striving for Perfection in Ce
 ntral Asian Buddhism: Non-Conceptionality in Medieval Daoism über die fü
 r den Buddhismus und dessen intrareligiöse Auseinandersetzungen ehemals p
 rominente Kultstätte Dunhuang an der Seidenstraße\, deren Bedeutung sich
  in einer für die medialen Aspekte religiöser Attraktion besonders inter
 essanten architektonischen und bildkünstlerischen Gestaltung sowie in ein
 er überaus reichhaltigen Textproduktion manifestiert. Die Aufmerksamkeit 
 der Referentin konzentrierte sich auf die in den Handschriften immer wiede
 r thematisierte Vorstellung der „non-conceptionality“ als soteriologis
 ch entscheidendem Erfahrungsbegriff des Buddhismus\, der einerseits (in Ri
 chtung Tibet) eine bemerkenswerte Anziehungskraft ausgeübt\, andererseits
  (in Richtung China) mit bemerkenswerter Indifferenz aufgenommen worden is
 t. Gerade vor diesem – nicht zuletzt auch politisch brisanten - Hintergr
 und erscheint Dunhuang als ein signifikantes Beispiel für das Zusammenspi
 el unterschiedlicher Attraktoren\, die Genese\, Verdichtung und Auflösung
  eines religiösen Gravitationszentrums bedingen\, ohne dabei – unbescha
 det der verschiedenartigen sekundären Rezeptionsweisen (Interventionen\, 
 Restriktionen oder Kontrollversuche) – primäre intentionale Steuerungen
  oder Ordnungsstrukturen erkennen zu lassen.\nIm Anschluß daran betonte L
 ivia Kohn (Boston\, USA) in ihrem Beitrag Embodied Transcendence: Energeti
 c and Physical Cultivation in Medieval Daoism anhand einer ausführlichen 
 Diskussion des daoistischen Konzepts von Körperlichkeit\, daß die „okz
 identalen Begriffe“ von Spiritualität und Materialität\, von Immanenz 
 und Transzendenz (ungeachtet ihrer vielfachen Differenzierung gerade im Ko
 ntext religiöser und philosophischer Auseinandersetzung) im Hinblick auf 
 den Daoismus immer wieder kontrovers diskutiert worden sind. Obwohl die Te
 rminologie problematisch erscheint\, lassen sich auch im chinesischen Kont
 ext Spuren von „notions of Western-style transcendence“ finden\, namen
 tlich in der Gestalt des Dao als jenseitiger Schöpfergottheit. In der „
 mittelalterlichen daoistischen Kultur“ werden diese unterschiedlichen Di
 mensionen durch das Medium des Körpers aktiviert. Der menschliche Körper
  als Spiegelbild des Kosmos kann infolgedessen als eine sakrale Topographi
 e verstanden werden\, innerhalb deren sich Immanenz und Transzendenz proze
 ssual ergänzen und somit die menschliche Physis selbst in ein primäres K
 räftefeld unterschiedlicher religiöser Attraktions- und Repulsionsmoment
 e verwandeln.\nIn dem folgenden Beitrag Recreating an Ancient Attraction: 
 The Buddha’s Cave and the Sixteen Pilgrimage Sites in Sri Lanka beschrie
 b Kevin Trainor (Burlington\, USA) an einem konkreten Fallbeispiel die Res
 tituierung verlorener\, vergessener oder aufgegebener buddhistischer Heili
 gtümer auf Sri Lanka und die damit verbundenen Wiederbelebungsversuche ve
 rgangener Pilgerstätten. Der Referent analysierte eine Reihe von Legitima
 tionsstrategien\, welche die konkrete Topographie des wiederhergestellten 
 Wallfahrtnetzes und dessen religiöse Attraktivität zugleich begründen u
 nd steigern sollten. Dazu gehören die auf unterschiedliche Weise überlie
 ferten und medial kommunizierten übernatürlichen Erscheinungen\, welche 
 einen bestimmten Kultort bezeichnen\, die entsprechende Legendenliteratur\
 , die davon berichtet\, und ebenso die nicht von Menschenhand geschaffenen
  und einer bestimmten Kultstätte zugehörigen religiösen Bilder. Die Auf
 stellung von Reproduktionen solcher archaischen oder auch nur archaisieren
 den Bildwerke konnte auch dazu dienen\, die jeweilige Lokation einer resti
 tuierten Heilsstätte zu autorisieren.\nIm Unterschied dazu untersuchte Pa
 olo Aranha (Florenz\, Italien) Making Attractive what is Already Attractiv
 e: Roman Catholicism in Early Modern South India\, Between Missionary Acco
 mmodation and Grassroot Syncretism verschiedene christliche Missionsstrate
 gien im Bereich des indischen Subkontinents\, namentlich in Goa. Die hier 
 unter maßgeblicher Beteiligung der Inquisition betriebene Missionstätigk
 eit der Römischen Kirche zeichnet sich durch drei divergierende und gerad
 e dadurch effiziente Tendenzen aus\, die der Referent unter die Begriffe 
 „repression“ (Unterdrückung existierender Kulthandlungen und Zerstör
 ung von Kultstätten)\, „adaption“ (Übernahme nicht-christlicher reli
 giöser Bräuche\, Verehrungsformen oder Feste in die christliche Kultprax
 is) und „attraction“ (spezifische Abstimmung der christlichen Kultprax
 is auf indigene Traditionen) subsumiert. Von besonderer Relevanz ist in di
 esem Zusammenhang das Prinzip der „Akkommodation“\, das sich in der In
 dienmission – und dabei abweichend von Missionsbestrebungen in anderen W
 eltteilen – als wesentliches Attraktionsmoment erweist. So werden innerh
 alb der neuen Christengemeinschaften auch gegenläufige ethische Konzepte 
 – wie beispielsweise das Kastensystem – ebenso toleriert wie das Fortb
 estehen archaischer Kulthandlungen oder ihre diskrete Integration durch in
 terreligiöse Umdeutung resp. Konvertierung in den christlichen Gottesdien
 st. Zudem wird die Partizipation von Nicht-Christen an christlichen Prozes
 sionen gestattet und generell die Zugehörigkeit zur Kultgemeinschaft nich
 t durch ein rigides Inklusion-Exklusion-Verfahren festgelegt.\nMit ihrem R
 eferat Creating Transcendental Feelings: Fantasies of the Milky Way in the
  Contemporary Japanese Organization World Mate lenkte Inken Prohl zum Absc
 hluß der Sektion den Blick auf die unterschiedlichen Bedingungen\, Voraus
 setzungen und Spezifika von „World Mate“\, einer Variante neuer Religi
 osität in der heutigen japanischen Gesellschaft\, deren „transcultural 
 events“ wichtige Fragen zu den Randbereichen und Schnittmengen von relig
 iösen und säkularen Attraktionen aufwerfen könnten. Unter der Prämisse
 \, daß im Bereich der materialen Religionsforschung ästhetische Aspekte 
 ausgeschlossen bleiben sollten\, konzentrierte sich das Referat auf die Do
 ppelfrage „How people are bound?“\, und „How people react?“ Zur Be
 antwortung wurden zahlreiche Beispiele von Kultobjekten präsentiert\, die
  vom Standpunkt westlicher Kulturkritik der Warenästhetik zuzuordnen wär
 en und die die Referentin selbst mit dem Begriff „Walt-Disney-Style“ b
 elegte. Folgerichtig wurde auch die „customer-orientation“ dieser Kult
 gemeinschaft betont\, die bei dem Versuch\, weitere Mitglieder zu akquirie
 ren\, offenkundig auf erprobte Werbestrategien zurückgreift.\nDer Vortag 
 bot in mehrfacher Hinsicht Anlaß zu terminologischer Selbstreflexion. So 
 wurde in der abschließenden Sektionsdiskussion einerseits die Schwierigke
 it angesprochen\, „religiöse Gefühle“ oder „religiöse Erfahrung
 “ ohne soziale oder kulturelle Kontextualisierung zu definieren\, andere
 rseits die Notwendigkeit betont\, gerade unter relationalen Gesichtspunkte
 n die Begriffe „transzendent“ und „transzendental“ von einander ab
 zuheben.\n \nThema der von Heinz Georg Held (Pavia\, Italien) geleiteten 
 vierten und letzten Sektion Inter- and Intra-Religious Dynamics of Transce
 ndental Experience waren die Attraktions- und Repulsionsprozesse\, die ein
 erseits das Faszinosum der Transzendenz bedingen und andererseits die disk
 ursive Reflexion und mediale Verbreitung transzendentaler Erfahrung motivi
 eren. Primär standen Fragen nach der besonderen Rolle einzelner Medien so
 wie nach der Eigendynamik religiös bestimmter Kommunikation resp. nach de
 ren Bedeutung für die Turbulenzen und Emergenzen des religiösen Feldes z
 ur Diskussion. Zu Beginn beschrieb Christophe Nihan (Lausanne\, Schweiz) u
 nter dem Titel Qumran and the Dynamics of Religious Attraction in the 2nd 
 Temple Period den intrareligiösen Konflikt zwischen „Tora“ und „Tem
 pel“\, der - scheinbar paradox – in wechselseitiger\, auch sozial codi
 erter Ab- und Ausgrenzung zu einer zunehmenden Auratisierung beider Instit
 utionen und darüber hinaus zur Etablierung einer Reihe auch politisch fol
 genreicher in-group-Praktiken beigetragen hat. In eben diesem Konfliktfeld
  verortet der Referent den Ursprung jüdischer Mystik\, die das priesterli
 che Privileg der Tora-Auslegung durchbricht und mit den für Qumran charak
 teristischen Komplementärphänomenen der Individualisierung religiöser P
 raxis und der Textualisierung religiöser Erfahrung eine auch historisch n
 achhaltige „alternative attraction“ bietet. Nicht nur für die intrare
 ligiöse Entwicklung des Judentums\, sondern auch in komparativer Hinsicht
  akzentuierte Nihan die Bedeutung von Ritual und Liturgie als wesentliche 
 Attraktions- und ggf. auch Repulsionsmomente.\nDer Beitrag von Ada Rapopor
 t-Albert (London\, UK) ’Dropping out’ into Hasidism verlängerte die a
 ngesprochene Traditionslinie zeitlich und räumlich zu der Hasidim-Bewegun
 g\, die offenbar gerade in der Gegenwart wiederum eine besondere Anziehung
 skraft auszuüben scheint. In dieser besonderen Erscheinungsform jüdische
 r Mystik\, die auf der einen Seite unverkennbar messianische Züge trägt\
 , andererseits aber auch interreligiöse Einflüsse\, etwa aus dem Sufismu
 s\, erkennen läßt\, wird die Allgegenwart Gottes in der Natur resp. in d
 er materiellen Welt vorausgesetzt und somit diese selbst mit einer eigenen
  Aura versehen und als spirituell erfüllte Wirklichkeit wahrgenommen. Zu 
 den Charakteristika dieser Bewegung\, die die Referentin durch mehrere pr
 ägnante Exempel zu veranschaulichen wußte\, gehört die wechselseitige (
 und nicht\, wie in vergleichbaren Konstellationen\, einseitige) Attraktivi
 tät\, die sich zwischen einer charismatischen Führerpersönlichkeit und 
 seinem Schüler und Anhänger ergeben muß. Die Beziehungen innerhalb dies
 es intrareligiösen Netzwerks bestimmen sich daher aus aktiven sowie reakt
 iven Annäherungs- und ggf. auch Distanzierungsprozessen zwischen Individu
 en. Auch hinsichtlich der Kultpraxis spielt die Individualisierung als Att
 raktionsfaktor eine primäre Rolle.\nAnhand einer konkreten Fallstudie - C
 onnecting Transcendent Attraction and Attractive Objects: The Case of Elis
 abeth of Schönau - leitete Anne Clark (Burlington\, USA) über zur Tradit
 ion christlicher Mystik\, die sie vor allem unter dem Gesichtspunkt ihrer 
 liturgischen Einbindung\, somit im medialen Kontext diskutierte. Die Visio
 nen der Benediktinerin aus dem 12. Jahrhundert\, so die These\, seien ohne
  den unmittelbaren Bezug zur Ritualpraxis\, gleichermaßen als Material wi
 e auch als Movens mystischer Attraktion\, nicht verständlich. Neben Visua
 lisierung und Textualisierung wurde auf die zentrale Rolle der Musik für 
 die Meditations- und Ekstasetechniken der Mystik hingewiesen. Insgesamt gi
 lt der Referentin zufolge die mystische Erfahrung in der christlichen Trad
 ition als die höchste und umfassendste Artikulation von Religiosität und
  würde somit einen entscheidenden Attraktionsfaktor innerhalb des monast
 ären Lebens als Möglichkeitsbedingung dieser Transzendenz- und Transzend
 entalerfahrung darstellen.\nUnter dem Titel Enchanted by Intra’s Net: So
 me Random Reflections on Textual Images of Transcendence and their Role in
  Religious Contacts untersuchte Jörg Plassen (Bochum\, Deutschland) am Be
 ispiel des Avatamsaka sutra und seiner Rezeption innerhalb unterschiedlich
 er buddhistischer Strömungen sowie der Interpretation durch westliche Phi
 lologen strukturale Einflüsse bildlicher Sprachformen\, die sich auf tran
 szendente Sphären beziehen und ihrer besonderen Suggestivität\, ihrer ä
 sthetischen Qualitäten oder ihrer illustrativen Überzeugungskraft wegen 
 im intra- und interreligiösen Kontakt eine nachhaltige Anziehungskraft au
 süben. Ausdrücklich betonte der Referent\, der sich dabei unter anderem 
 auf die Arbeiten von Lakoff/ Johnson\, Blumenberg und Taureck berief\, die
  Ambivalenz von Sprachbildern\, die teilweise sehr unterschiedliche\, durc
 haus gegenläufige und somit tendenziell widersprüchliche Rezeptionsproze
 sse auslösen können\, indem sie religiöse Vorstellungen in andere relig
 iöse oder säkulare Bereiche übertragen oder sich mit anderen\, religiö
 sen oder säkularen Inhalten verknüpfen. Mit seinen grundsätzlichen Übe
 rlegungen zu Status und Bedeutung von rhetorischen Figuren\, bildhafter Sp
 rache und Sprachbildern lenkte Plassen die Aufmerksamkeit erneut auf wicht
 ige Desiderata bei der begrifflichen Unterscheidung und heuristischen Bewe
 rtung von intra- und interreligiösen Übersetzungsprozessen.\nMit dem Bei
 trag von Christoph Auffarth (Bremen\, Deutschland) Innerwordly Transcenden
 ce as the Attractiveness of the – Material – World to Come: The Third 
 Reich wurden abschließend einige der wichtigsten Fragestellungen der Tagu
 ng noch einmal zusammengeführt und dabei sowohl ihre Komplexität als auc
 h ihre kulturgeschichtliche Reichweite verdeutlicht. Zugleich verlängerte
  der Referent die überwiegend historische Ausrichtung der Diskussion auf 
 die Gegenwart\, nicht allein um die thematische Aktualität der Debatte um
  „religiöse Attraktion“ über die Grenzen des spezifisch religiösen 
 Feldes hinaus zu betonen\, sondern auch um damit dem entscheidenden relati
 onalen Aspekt der Betrachterperspektive explizit Rechnung zu tragen. Anhan
 d des millenaristischen Konzepts des „Dritten Reichs“ und seiner Begri
 ffsgeschichte demonstrierte Auffarth exemplarisch die mediale Eigendynamik
  religiöser Terminologie\, die aufgrund ihrer vielfältigen semantischen 
 Verknüpfungen unterschiedlichste Neu- und Umdeutungen erfahren konnte. Of
 fenkundig handelt es sich dabei um mehr und anderes als intrareligiöses R
 ezeptionsverhalten (wie es sich etwa in der Übernahme und Ausdeutung des 
 Konzepts bei Puritanern\, radikalen Pietisten\, Adventisten etc. manifesti
 ert). Auffarth konzentrierte seine Ausführungen auf die facettenreiche Fr
 age nach der Rolle und dem Stellenwert religiöser Prophezeiungen und dere
 n erwarteter Erfüllung innerhalb säkularisierter Gesellschaften\, so etw
 a in der „Sattelzeit“ zwischen 1750 und 1850\, die das religiöse Konz
 ept des Tausendjährigen Friedensreichs in eine revolutionäre Utopie des 
 Menschengeschlechts verwandelte\, oder in der ersten Hälfte des 20. Jahrh
 underts\, das sich seiner zu durchweg unheiligen Zwecken und Zielen bemäc
 htigte\, und nicht zuletzt in der Gegenwart\, die es in ihre politische un
 d militärische Konfrontationslogik zu integrieren versteht.\nDie Klärung
  jener eigentümlichen Persistenz religiös aufgeladener Begriffe\, die 
 – gerade auch durch ihr intra- und interreligiöses Migrationspotential 
 – zu weitgehend autonomen Attraktoren werden und über die Assoziierung 
 mit aktuellen Vorstellungen immer wieder neue Dynamik gewinnen können\, g
 ehört zu den wesentlichen Aufgaben einer relationalen Religionsforschung\
 , deren konkrete Anliegen Volkhard Krech (Bochum\, Deutschland) in seiner 
 abschließenden Zusammenfassung und thematischen Verortung der unterschied
 lichen Tagungsbeiträge noch einmal anschaulich erläuterte. Krech betonte
  das Forschungsinteresse des Kollegs an den energetischen Bedingungen eine
 s inter- und intrareligiösen Kräftespiels\, das einerseits Kultbezirke u
 nd -gegenstände auratisiert\, ihnen religiöse Wirkung zuschreibt und ihr
 e Charismatik durch diskursive\, figurative\, performative Attraktionsform
 en steigert\, das andererseits individuelle und kollektive Transzendenzerf
 ahrungen vor einem religiös aufgeladenen Erwartungshorizonts emergieren l
 äßt und durch ihre mediale Interdependenz neue religiöse Netzwerke bild
 et.
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