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Spuren des Monotheismus in der materiellen Kultur?

Veränderungen im religiösen Symbolsystem in der formativen Phase des vorhellenistischen Judentums in der Eisen III-Zeit und der Perserzeit

Das Projekt untersucht die Veränderungen im ikonographischen Symbolsystem Israels / Palästinas der Zeit zwischen Judas Eigenstaatlichkeit (587 v. Chr.) und der hellenistischen Zeit (ab 333/32 v. Chr.), deren Zusammenhang mit ikonographischen Entwicklungen in den Nachbarkulturen der südlichen Levante und deren Verhältnis zu der Herausbildung des biblischen Monotheismus. Die exemplarische Studie bezieht sich auf die Konstitutions- und Formierungsphase des frühen Judentums im 5. und 4. Jh. und fragt nach dem Einfluss religiöser Überzeugungen auf Veränderungen im religiösen Symbolsystem vor allem im perserzeitlichen Juda. Im Hintergrund steht die Leitthese des Kollegs, dass sich die Konstitution, Etablierung und Ausbreitung der großen religiösen Traditionsgeflechte nicht ohne den Blick auf die gegenseitige Beeinflussung in Kultur, Symbolsystemen und Traditionskomplexen beschreiben lassen. Im Hinblick darauf soll die Formierungsphase des vorhellenistischen Judentums in den Blick genommen und auf Transformationen in der materiellen Kultur hin untersucht werden. Das Projekt richtet dementsprechend seinen Fokus auf die Beschreibung der Kontinuitäten und Diskontinuitäten im ikonographischen Befund der Perserzeit im Kontext der eisenzeitlichen und frühhellenistischen Entwicklungen. Dabei geht es folgendermaßen vor: Darstellung und religionsgeschichtliche Auswertung des ikonographischen Befundes der Perserzeit in Palästina / Israel (Jehûd, phönizisches Umland, Küstenebene, Galiläa, Ostjordanland, Idumäa/edomitisches Gebiet) auf der Grundlage der Primärquellen im erweiterten Horizont der übrigen archäologischen, epigraphischen und literarischen Quellen, Einbindung in die Entwicklungslinien von der Eisen IIB-Zeit bis zur frühhellenistischen Periode (Kontinuität und Diskontinuität) unter Einbeziehung regionaler politischer, ökonomischer und demographischer Besonderheiten, Überprüfung der Hypothese, dass sich die Formierung des frühen Judentums nicht nur textlich in Sabbat, Beschneidung, Endogamie und bildlosem Monotheismus fassen lässt, sondern sich auch in der materiellen Kultur der babylonisch-persischen Zeit widerspiegelt.

Ansatz und Ziel des Projektes ist, die ikonographischen Befunde der Perserzeit in der Provinz Jehûd nicht zu isolieren, sondern stärker in den regionalen und entwicklungsgeschichtlichen Horizont einzurücken, d.h. mit der Eisenzeit einerseits und der hellenistischen Zeit andererseits in Beziehung zu setzen, um so Kontinuitäten und Diskontinuitäten genauer herausstellen zu können. Das Projekt leistet damit einen Beitrag zur genaueren Beschreibung und Einordnung des Formierungsprozesses des frühen Judentums zur Zeit des zweiten Tempels. Durch die Einbeziehung der materiellen Kultur wird die Leitthese des Kollegs deutlicher werden, dass auch Traditionenskomplexe wie das frühnachexilische Judentum, denen in der Forschung eine weitestgehend autochthone Entstehung zugestanden wurde, sich nur in Adaption und Abgrenzung zu anderen kulturellen Traditionen konstituieren, etablieren und weiterentwickeln konnte. Daneben leistet das Projekt einen weiterführenden Beitrag zur Diskussion um die "Achsenzeiten" als Paradigma für die Formierung religiöser Traditionen in der ersten Kollegphase.

Beteiligte Personen