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Die Verfügbarkeit des Unverfügbaren

Zur Gott-Mensch-Kommunikation in der Vormoderne

Das Projekt nähert sich dem Phänomen Religion aus einer kommunikationstheoretischen Perspektive. Im Anschluss an Erkenntnisse der jüngeren Religionsforschung wird Religion als ein Kommunikationssystem aufgefasst. Die Frage ist dann nicht, was das Wesen von Religion ausmacht, sondern was das Merkmal religiöser Kommunikation ist. Es ist dabei die Ausgangshypothese, dass insbesondere eine spezifische Kommunikationsform Einsicht in den binären Code des Religionssystem – die Unterscheidung von Transzendenz und Immanenz – vermittelt: Die Kommunikation mit Gott und vice versa.

Durch diese Kommunikationsform, die sich religionssoziologisch als eine Form des re-entry beschreiben lässt, wird der Code als Grenze markiert und damit beobachtbar. Da die Interaktion zwischen Gott und Menschheit aufgrund der unmittelbaren Nichtgegebenheit des göttlichen Gesprächspartners im besonderen Maße auf immanente Repräsentationsleistungen angewiesen ist, ist davon auszugehen, dass die Kommunikation sowohl in synchroner Hinsicht differiert als auch in diachroner Perspektive transformiert, diversifiziert und dynamisiert. Durch die Beobachtung und Beschreibung dieser Variationen und Umformungen kann, so die Prognose, die Oszillation der „großen Grenze“ (Luhmann) im Religionssystem aufgezeigt werden. Dies soll in einem intrareligiösen Ansatz für das Christentum der europäischen Vormoderne gezeigt werden.