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Begriffsgeschichtliche Untersuchungen zum Wortfeld Religion im antiken und mittelalterlichen China

Das Projekt thematisiert vor dem Hintergrund der oben umrissenen Problematik prima facie im Wortfeld "Religion" angesiedelte oder aniedelbare Begriffe in klassischen chinesischen Texten von der Zhou- (11.-3.Jh.v.Chr.) bis zur Song-Zeit (10.-13.Jh.). Es untersucht ihrer Bedeutung, Verwendung und Diskussion und gegebenenfalls ihren Bedeutungswandel sub specie der möglichen Differenzierung von Säkularität und Sakralität, also der Entstehung eines spezifischen, abgegrenzten Sinnbereichs Religion, ohne diese Differenzierung als gegeben zu unterstellen. Von besonderem Interesse ist dabei die mögliche Herausbildung eines Kollektivsingulars Religion als Basis einer eventuellen Anerkennung einer Pluralität von Glaubensüberzeugungen. Textbasis des Projektes ist das sehr umfangreichen Korpus "normativer" Literatur, das bis zum songzeitlichen China entstanden ist. Als ergiebig dürfte sich - einer Grundthese des IKGF entsprechend - insbesondere die Literatur erweisen, die an den Berührungspunkten der unterschiedlichen Lehren entstanden ist (z.B. Konfuzianismus und Buddhismus), denn gerade hier hat sich die Herausforderung ergeben, das Terrain begrifflich zu klären. Zusätzliche Aufmerksamkeit gilt dabei jener Literatur, in der die Verwendung der häufig vieldeutigen Terminologie selber thematisch wird.

Das Projekt soll zusammen mit den auf Japan und Korea bezogenen Projekten einen geographischen Raum zur Sprache bringen, der immer wieder als kultureller Antipode des „Westens“ angesprochen wird (und auch sich selbst gern so positioniert) und dem damit in einer kulturvergleichenden Untersuchung eine mehr als nur marginale Bedeutung zukommt. Dabei soll es sowohl einer Exotisierung des „Ostens“ als auch einem möglichen westlichen begrifflichen Hegemonismus entgegenarbeiten. Es dient der Verifizierung oder Widerlegung der Hypothese, dass ein primär auf abrahamitische Traditionen gestütztes Verständnis von Religion weder ohne weiteres generalisierbar ist noch sich in allen seinen Implikationen – vor allem bezüglich der Trennung von Säkularität und Sakralität – als rein kulturspezifisch erweist.

Beteiligte Personen