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Tradition und Religion ausloten. Workshop vertieft internationale Kooperation

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Erstmals organisiert das Bochum Centrum für Religionswissenschaftliche Studien (CERES) einen Workshop gemeinsam mit der Hebräischen Universität Jerusalem. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beider Institutionen loten zwei Tage lang die verschiedenen Bedeutungsschichten des Begriff 'Tradition' in Bezug auf Religion aus. Der gemeinsamen Workshop "Self-Reflective Traditions" findet am 18. und 19. Mai 2017 in Bochum statt. Dem vorangegangen war eine jahrelange fruchtbare Kooperation des am CERES angesiedelten Käte Hamburger Kollegs Dynamiken der Religionsgeschichte mit der israelischen Forschungseinrichtung.

Der Begriff 'Tradition' ist für Religion zentral. Aber auch wenn er ständig benutzt wird, bleibt er oft schwammig und wird selten klar definiert. Häufig benutzen religiöse Akteure den Begriff in einer völlig anderen Bedeutung, als er in der wissenschaftlichen Analyse von Religionen angewendet wird. Immer wieder bezeichnen Gläubige die von ihnen praktizierten Rituale und Glaubensinhalte als Tradition und sehen sie als wahr, weil historisch überliefert, an - ganz gleich, ob religiöse Autoritäten diesem zustimmen oder nicht. Von außen betrachtet dagegen erscheint der Begriff 'Tradition' in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Religion immer mehr als Synonym für diese benutzt zu werden. Wer nicht von Religion sprechen möchte, spricht stattdessen von Tradition.

Die eingehende Untersuchung des Begriffs 'Tradition' in Bezug auf Religion hat deshalb das Potential, eine Brücke zwischen dem religiösen Leben auf der einen Seite und seiner wissenschaftlichen Erforschung auf der anderen Seite zu schlagen. Dabei soll im Workshop besonderes Augenmerk auf die Frage nach der religiösen Identität gelegt werden. Trotz allen historischen Wandels scheinen Religionen sich selbst treu zu bleiben und zu wissen, wer sie sind. Aber woher wissen sie das? Wie definieren sie sich selbst? Wie können sie angesichts von stetigen Veränderungen trotzdem von Kontinuität ausgehen und ihre Identität auf diese Weise stets neu bestätigen?

Der Workshop "Self-Reflective Traditions" markiert den ersten Schritt zu einer zukünftigen institutionellen Kooperation zwischen dem CERES und der Hebräischen Universität Jerusalem. Dabei wird angeknüpft an die bestehende Zusammenarbeit zwischen der israelischen Hochschule mit dem Käte Hamburger Kolleg, das in zwei Jahren auslaufen wird. Beide Institutionen zeichnen sich durch eine fundierte religionswissenschaftliche Forschung aus und versprechen sich von der Kooperation Synergieeffekte, die zu einem besseren Verständnis historischer Dynamiken in Bezug auf Religion beitragen.